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Hej, Pippi Langstrumpf! 100 Jahre Astrid Lindgren

".... Pippi Langstrumpf ist, wie Sie merken werden, […] ein kleiner "Übermensch" in Gestalt eines Kindes, in ein ganz normales Milieu gestellt. Dank ihrer übernatürlichen Körperkräfte und einiger anderer Umstände ist sie ganz unabhängig von allen Erwachsenen und lebt ihr Leben wie es ihr gefällt. Bei Zusammenstößen mit großen Leuten behält sie immer das letzte Wort.“

Mit diesen Worten kommentierte die 37jährige Astrid Lindgren ein Manuskript, dass die Jungautorin im Herbst 1944 an den schwedischen „Bonnier“-Verlag schickte. Der Inhalt: Die Erlebnisse eines rotzfrechen und vollkommen ungezogenen rothaarigen Mädchens namens Pippi Langstrumpf, die Lindgren ursprünglich als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter Karin ersonnen und aufgeschrieben hatte. 1945 gewann Astrid Lindgren mit „Pippi Langstrumpf“ den 1. Preis bei einem Kinderbuch-Wettbewerb. Im selben Jahr erschien die Geschichte erstmalig als Buch und wurde in Schweden – trotz zum Teil heftiger Kritik – zum Bestseller. Ein zweiter und ein dritter Teil folgten, ebenfalls erfolgreich, im Jahr 1946.

In Deutschland interessierte sich zunächst Niemand für die frechen Geschichten. Mehrere Verleger bekamen die Manuskripte in die Hände, schickten sie aber wieder an Lindgren zurück. Im Frühjahr 1949 lernte Astrid Lindgren in Stockholm den deutschen Verleger Friedrich Oetinger kennen. Oetinger hatte 1946 einen Verlag für Kinder- und Jugendbücher gegründet und interessierte sich besonders für skandinavische Kinderliteratur. Der Verlag „Friedrich Oetinger“ erhielt die Option und bereits im Herbst des Jahres erschien die deutsche Erstausgabe von „Pippi Langstrumpf“. 1950 folgte der Band „Pippi geht an Bord“ und im Jahr darauf „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Alle drei Bände wurden 1967 noch einmal als Sammelband herausgegeben. Das war wohl auch eine Reaktion auf die überwältigende Resonanz, die die Geschichten um „Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstumpf“ – so ihr vollständiger Name – erhielt. Längst schon war „Pippi Langstrumpf“ ein Welterfolg, millionenhaft verkauft, auf der ganzen Erde bekannt und in den meisten Kinderzimmern – auch schon als Spielzeug, Puppe, Hörspiel, Musikkassette oder -platte – und nicht zuletzt auch im Fernsehen anzutreffen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Was faszinierte und fasziniert Generationen von Kindern auf der ganzen Welt an dieser Kinderfigur, was machte den weltweiten Erfolg des bald schon zum „Klassiker“ gereiften Kinderbuches – bis heute – aus? Und woran machte sich die zum Teil heftige und anhaltende Kritik an der rothaarigen Heldin fest?

Das waren Fragen, denen in der Ausstellung „Hej, Pippi Langstrumpf! 100 Jahre Astrid Lindgren“ anlässlich des 100. Geburtstages der Autorin im Museum Hameln nachgegangen wurde.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stand einmal die Autorin Astrid Lindgren und die Entstehung und Bedeutung der Romanfigur „Pippi Langstrumpf“, sodann die Editionsgeschichte der Romane und die anhaltende Rezeption der Kinderheldin durch Kinder und Erwachsene, Kritiker und Befürworter, Erzieher und Pädagogen, konservative und reformistische – von den Anfängen bis heute. Ein Teil der Exponate stammte aus der Sammlung der Pippi Langstrumpf-Kennerin Marion Blienert aus Lübeck sowie aus mehreren Fachbibliotheken. Als Kooperationspartner und Leihgeber konnte außerdem der bekannte Pippi Langstrumpf-Illustrator Rolf Rettich gewonnen werden.

Die Ausstellung, in bunter Vielfalt, als „Villa Kunterbunt“ gestaltet, zeichnete anhand von Objekten, Buchausgaben, Illustrationen, Medien und Inszenierungen die Editions- und Rezeptionsgeschichte des Kinderbuchklassikers nach. Sie wurde ergänzt durch interaktive Elemente, an denen Kinder erlebnisorientiert an das Thema herangeführt wurden. An großzügig und zeittypisch gestalteten Spielstationen konnten sich Kinder spielerisch in die Welt von Pippi Langstrumpf hineinversetzen. Rekonstruierte Räume der "Villa Kunterbunt" luden zum Ausruhen ein. Die Ausstellung wird darüber hinaus begleitet von einem reichhaltigen museumspädagogischen Angebot.

Die fest installierten Spielstationen und interaktiven Elemente konnten frei genutzt werden. Es gab Ruhezonen mit Lese-, Bastel- und Malmöglichkeiten, in denen sich Eltern mit und ohne ihre Kinder aufhalten konnten. Daneben wurden museumspädagogisch betreute Aktivitäten (Pippi Langstrumpf-Rallye, Sachen suchen, Bastelworkshops, Verkleidungsaktionen, Spiele rund um Pippi Langstrumpf, Kindergeburtstage) angeboten. Die museumspädagogischen Angebote waren bereits vor der Eröffnung am 11. Februar weitgehend ausgebucht, so dass die Schau kurzerhand um zwei Monate verlängert wurde.

Insgesamt besuchten in der Zeit vom 13. Februar bis zum 1. Juli 19000 Menschen die Ausstellung. Allein die Hälfte davon machten Kinder und Jugendliche aus.

Auch im Zusammenhang mit der Pippi-Langstrumpf-Ausstellung wurden zahlreiche Sonderveranstaltungen durchgeführt. Am 10. März wurde in Kooperation mit der Stadtbücherei Hameln und der Buchhandlung Mathias in Hameln ein Schreibwettbewerb veranstaltet. In Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Kommunikationszentrum Sumpfblume wurden an mehreren Terminen Filmvorführungen angeboten. Viele Schulklassen nutzten die Gelegenheit, zuerst den Film „Pippi in Taka-Tuka-Land“ und dann die Ausstellung im Museum zu besuchen. Am 25. März gab es ein buntes Programm rund um Pippi Langstrumpf beim Aktionstag „Hej, Pippi Langstrumpf“, der fast 1500 Menschen ins Museum lockte. Neuland betrat das Museum mit der Veranstaltung von Lesenächten (Übernachtungen im Museum). Dieses attraktive Angebot stieß auf eine dermaßen große Resonanz, dass Zusatztermine nötig wurden.

Die Presse- und Medienresonanz im Zusammenhang mit „Hej, Pippi Langstrumpf! 100 Jahre Astrid Lindgren“ war gewaltig. Fernsehteams des NDR und von RTL waren vor Ort – das überregionale Presseecho sorgte dafür, dass Menschen aus ganz Deutschland wegen Pippi nach Hameln reisten.

Höhepunkt der Ausstellung war der Weltrekordversuch „Größtes Pippi-Langstrumpf-Treffen“ der Welt am 14. April 2007. Die Versammlung möglichst vieler (nämlich von 1007) verkleideter „Pippis“ war 2005 der Stadt Osnabrück gelungen. Hameln knackte den Rekord unter Jubelstürmen und in Anwesenheit von Funk und Fernsehen sensationell mit 1138 verkleideten Langstrümpfen. Das „Größte Pippi-Langstrumpf-Treffen der Welt“ auf dem Pferdemarkt und im Hochzeitshaus wurde mit seinem bunten Kultur- und Musikprogramm auf der Hochzeitshausterrasse, kulinarischen Leckereien, Verkaufsständen und Mitmachangeboten rund um die Marktkirche zu einem großen (Volks-)fest. Die weltweite (!) Presseresonanz sorgte für eine unschätzbar wertvolle touristische Werbung für die Stadt Hameln in der ganzen Welt. Die vom Museum organisierte und durchgeführte Veranstaltung zeigte eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des Kulturtourismus in Hameln.

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