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"Hin und weg" - Migration im Weserbergland

Ilse PieperWelches Schicksal fanden und finden die Menschen? Das zeigte die Sonderausstellung „Hin und weg“ im Museum Hameln.

Die Geschichte der Ein- und Auswanderung in Hameln und Umgebung begann im Mittelalter und mit der Zuwanderung von Juden, später Hugenotten und den sog. Salzburgern. Viele Menschen aus unserer Region wanderten ihrerseits auf der Suche nach Arbeit und Auskommen aus, die meisten nach Amerika. In einem Brief schreibt ein Auswanderer im 19. Jahrhundert nach Hilligsfeld, an seine Familie: "Viele junge Leute, welche erst kommen, haben hier Geld verdient und ihre ärmeren Geschwister nachkommen lassen. Auch wenn mehrere kommen wollen, können alle hier Arbeit bekommen. Selbst mein Bruder, welcher eine Dampfmühle hat, braucht immer junge Leute; so z. B. August Kabke aus Hohnsen sein Sohn, ist jetzt schon über 2 Jahre bei ihm als Radmacher. Es sind jetzt so viele Deutsche hier, daß man glaubt man wohnt in Deutschland"

Das Alugeschirr, das eine Familie auf der Flucht von Schlesien mit nach Hameln brachte, zeigte eine ganz andere Art von Migration, nämlich durch Kriegseinwirkungen erzwungene, die unter großer Angst und Not verlief. Ein Kochtopf, in dem ein Türke in den 1970er Jahren für seine Kollegen das Essen kochte, bot einen Einstieg in das Thema "Gastarbeiter".

KriegsgefangenerVerbindendes wurde herausgehoben - z.B. die Schwierigkeiten, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden -, Trennendes benannt: Die Dramatik einer Flucht im Zweiten Weltkrieg stand neben der freiwilligen Einreise aufgrund eines Anwerbevertrags. Am 31.12.2004 lebten 5.436 Ausländer in Hameln, das sind 9,3 % der Gesamtbevölkerung. Damit liegt Hameln deutlich über dem niedersächsischen Durchschnitt (6 %) und sogar über dem Bundesdurchschnitt (9 %). Die Hamelner Sondersituation könnte auf dem hohen Arbeitskräftebedarf der ehem. hier angesiedelten Industriebetriebe und der nachfolgenden geringen Bevölkerungsdynamik beruhen.

Weder in Hameln noch im Landkreis Hameln-Pyrmont gibt es akute, dramatische Konflikte zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen. Man sollte aber auch nicht so lange warten, bevor man sich über diese aktuellen Themen Gedanken macht. Im Moment wird von Fachleuten, von Politikern und Wissenschaftlern viel über Integration, Eingliederung, Anpassung und Ausgrenzung gesprochen. Die Dringlichkeit einer solchen Diskussion ist aufgrund aktueller Ereignisse unbestritten. Die klugen, theoretischen Auseinandersetzungen im nationalen und Länderkontext sind wichtig. Gelebt wird die Integration oder Segregation aber vor Ort, in den Dörfern, Städten und Landkreisen. Ein Museum kann hierbei eine wichtige Funktion übernehmen als Impulsgeber, als Vermittler historischer Zusammenhänge.

Beispiel: Es gab eine Zeit, da war jeder vierte Hamelner Hugenotte, sprach Französisch, hatte den Hamelnern fremde Lebensgewohnheiten und einen anderen Glauben. Natürlich verlief der Kontakt zwischen Einheimischen und Einwanderern nicht konfliktfrei. Heute ist ein Deutscher auf seine hugenottischen Wurzeln stolz. Kann das nicht Anregung und Denkanstoß sein?

Ein wichtiges Ergebnis der Ausstellung: Migration hat es seit Beginn der Menschheitsgeschichte gegeben und es wird sie auch in aller Zukunft geben. Sie gehört zum Leben dazu, es macht aber einen Unterschied, wie man mit dem Phänomen umgeht.

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