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Lili Marleen. Ein Schlager macht Geschichte

Lili MarleenDas Museum Hameln zeigte in Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte in Bonn, dem Luftwaffenmuseum Berlin und dem Sammler Sepp-Dieter Seifert aus Hardegsen vom 16. Juni bis 13. August 2006 eine tiefgründige Ausstellung zu „Lili Marleen“, jenem weltberühmt gewordenen „Lied eines jungen Wachtpostens“ vor der Kaserne, das, gesungen im Jahr 1942 von Lale Andersen mitten im Zweiten Weltkrieg über alle Grenzen hinweg zum Welthit wurde und für die meisten Menschen – auch heute noch – den „Soundtrack“ der 1940er Jahre darstellt.

Eng verbunden mit dem Namen der ersten Interpretin Lale Andersen wurde die Melodie aus der Feder Nobert Schultzes zum „biggest hit of World War II“ und gilt heute als eines der erfolgreichsten deutschen Lieder des 20. Jahrhunderts. Zahllose Interpreten – darunter Marlene Dietrich und Anne Shelton – versuchten, auf den nicht aufzuhaltenden Zug des Erfolgs aufzuspringen. Selbst moderne Rockbands besangen Lili Marleen und ließen ihn zu einem melancholisch-sentimentalen Welterfolg voller Widersprüche werden.

Denn Lili Marleen war nicht bloß ein weiteres deutsches Soldatenlied über Abschied, Trennung und eine ungewisse Heimkehr. Lili Marleen traf die Gefühlslage der Zeit und berührte jeden Soldaten an der Front, aber auch deren Angehörige daheim, gleichermaßen. Lili Marleen wurde für propagandistische Zwecke umgedichtet und missbraucht, aber später auch zum Gegenstand von Parodien, Theateraufführungen und Filmen.

Lili MarleenDie Wanderausstellung im Museum Hameln thematisierte die Entstehung des Liedes, seine Verbreitung und Rezeption. Durch zahlreiche Exponate, die zum Teil aus den persönlichen Nachlässen von Lale Andersen, Marlene Dietrich, Hans Leip und Nobert Schultze stammen, wurde der Mythos Lili Marleen eindrucksvoll beleuchtet. Notenhefte, Liedkarten, Soldatenbriefe sowie Filmplakate zeugten vom kulturellen Leben und dem Alltag der Menschen im Zweiten Weltkrieg. Spannende Objekte aus der Sammlung von Sepp-Dieter Seifert aus Hardegsen und aus dem Museumsbestand zeichneten ein eindrucksvolles, aber auch betroffen machendes Bild der letzten Kriegsjahre, die einerseits von der Barbarei des „Totalen Krieges“ geprägt waren, in denen sich aber andererseits auch die Sehnsucht der Menschen nach Normalität und Frieden – besonders in der Musik – zunehmend ausdrückte. In diesem Zusammenhang wurden in der Ausstellung auch die Kulturgeschichte von Rundfunk und Unterhaltungsmedien in den 1930er und 1940er Jahren sowie die mythologischen und psychologischen Zusammenhänge zwischen Musik und Krieg untersucht.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehörte auch das von Museum und Radio Aktiv veranstaltete Konzert „Wie einst, Lili Marleen“ am 7. Juli 2006 in der Kurie Jerusalem. Kabarett-Kenner Titus Malms als Wort-Jongleur und der vormalige Kölner Musik-Professor Klaus Pawassar als Klaviervirtuose machten auf unterhaltsame Weise mit der staunenswerten Geschichte des weltberühmten Liedes bekannt und bestätigten dabei die These „Je kolossaler der Ruhm, desto dringlicher die Parodie“. Die dargebotenen „musikalischen und poetischen Parodien im Stile großer Geister“ gerieten zu einem ironisch-intellektuellen Vergnügen, zu einem Abend der anderen Art, abseits aller Kategorien. Trotz der sommerlichen Temperaturen war das Konzert „ausverkauft“; einige spät entschlossene Besucher konnten am Schluss aus Platzgründen leider nicht mehr eingelassen werden.

Die Ausstellung „Lili Marleen. Ein Schlager macht Geschichte“ im Museum sprach mit etwa 4.000 Besuchern für Hamelner Verhältnisse wenige Menschen an. Hauptursache für die rückläufigen Besucherzahlen während der Sommermonate war in Hameln, ähnlich wie in anderen deutschen Städten, die Fußball-WM (9. Juni bis 9. Juli 2006), die eindeutig auch die museumsrelevanten Zielgruppen kulturell band. Die bundesdeutschen Museen hatten während der WM zum Teil mit Besucherrückgängen bis zu 40% zu kämpfen. Darüber hinaus belegte der „Supersommer“ im August, der die Menschen mehr in die Freibäder und in die Eisdielen als in die Museen lockte, einmal mehr den starken Einfluss natürlicher Faktoren – hier: des Wetters – auf die Museumsarbeit.

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