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Käthe Kruse - Kindertraum und wirtschaftliches Wunder

Eigentlich wollte sie nur für ihre kleinen Töchter Spielzeugpuppen basteln, denn ihr bärtiger Ehemann hatte sich beharrlich geweigert, welche zu kaufen: "Nein, ich kaufe euch keine Puppen. Macht euch selber welche!" hatte er stets gepoltert, wenn die Sprache in der Familie Kruse auf Spielzeug für die Kinder kam.

Spielzeugpuppen Aus der primitiven "Kartoffelpuppe" wurde die "Puppe I", jenes Modell mit der die erst 27-jährige Käthe Kruse im Jahr 1910 bei einer Warenausstellung in einem Berliner Kaufhaus für Furore sorgte. Bald war der Name "Käthe Kruse" in aller Munde, wenn es um Puppen und Spielzeug ging. Es schloss sich eine der spannendsten und aufregendsten Wirtschaftskarrieren des Jahrhunderts an. Aus der jungen begabten Künstlerin wurde eine willensstarke Unternehmerin, die ihre Firma, die "Käthe Kruse Puppen-Werkstätten" durch zwei Weltkriege, durch wirtschaftlich und politisch schwierige Zeiten, durch Konjunkturen und Krisen bis zu ihrem Tod im Jahr 1968 leitete.

"Ganz nebenbei" brachte Käthe Kruse 7 Kinder zur Welt, die alle mehr oder weniger im Familienbetrieb der "Puppenmutter" tätig waren und bis über Käthes Tod hinaus die Geschicke der Firma lenkten. Ihr Sohn Max Kruse, heute ein bekannter Schriftsteller, hatte nach dem 2. Weltkrieg auch in Bad Pyrmont eine Zweigstelle errichtet, in der 4 Jahre lang Käthe Kruse Puppen hergestellt und vertrieben wurden. Nach dem Niedergang der kleinen Filiale im Weserbergland und der drohenden Enteignung der in der damaligen DDR gelegenen Kösener Werkstätten um 1950 war Käthe Kruse nach Donauwörth geflohen.
Dort produziert die "Käthe Kruse Puppen GmbH" auch heute noch weitgehend in Handarbeit die berühmten Puppen.

Käthe Kruse-Puppen gehören heute zu den gefragtesten Sammelobjekten im Spielzeugbereich. Die künstlerische und handwerkliche Qualität der Puppen ist legendär; bei Sammlern und Fachleuten paart sich gleichermaßen die Begeisterung für diese Merkmale mit Nostalgie und Kindheitserinnerungen. Auf Messen, Märkten und Auktionen erzielen die begehrten Produkte daher anhaltend großes öffentliches Interesse und dementsprechend hohe Preise. Aber die Puppen dokumentieren auch die Geschichte der Künstlerin, Mutter und Unternehmerin Käthe Kruse, sowie die kurvenreiche und wechselhafte Entwicklung der Firma. Hierin spiegelt sich die gesamte deutsche Wirtschafts-, Politik- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Von Januar 2003 bis April 2003 machte Käthe Kruse Station im Hamelner Museum. In der Sonderausstellung "Käthe Kruse - Kindertraum und wirtschaftliches Wunder" wurden nicht nur die "Puppenwelten" der berühmten Frau lebendig, sondern auch ihre eigene außergewöhnliche Biografie sowie ihr künstlerischer und unternehmerischer Werdegang.
Besonders seltene Puppen aus der frühesten Schaffensphase, das bei Sammlern sehr begehrte "Schlenkerchen", das in Bad Pyrmont gefertigte "Hampelchen", einzigartige Sondermodelle, wie die um 1915 nur kurzzeitig produzierten und in Sammlerkreisen sehr begehrten Soldaten- und Vitrinenfiguren sowie weniger bekannte Käthe Kruse-Produkte wie die seit Ende der 1920er Jahre gefertigten Schaufensterpuppen und Kinderwagen waren in der Ausstellung zu sehen. Ebenso bisher unveröffentlichtes und noch nicht gezeigtes Bild- und Fotomaterial, privater Briefwechsel und Geschäftskorrespondenz der Unternehmerin und das künstlerische Wirken ihres Ehemanns, des Bildhauers Max Kruse, dessen Werke von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Puppenfabrikation gewesen waren. Hierzu ist es gelungen, die preisgekrönte Kruse-Bronzeplastik "Junge Liebe" aus dem Jahr 1897 aufzutreiben. Auch dieses mittlerweile sehr schwer zu bekommende Stück wurde in der Ausstellung gezeigt.

Ein reichhaltiges museumspädagogisches Programm hat die Ausstellung begleitet. Eine Video- und Diainstallation, eine Kinder-Kreativecke zum Basteln und Malen und die Möglichkeit, aktuelle Puppen käuflich zu erwerben, waren rund um die Öffnungszeiten nutzbar. An mehreren Terminen fanden Sonderveranstaltungen, Vorträge, Lesungen und ein Puppenaktionstag für die ganze Familie statt.

Sonderedition RattenfängerLimitierte Sonderedition der Firma "Käthe Kruse": Ein "Däumlinchen" als "Rattenfänger von Hameln"

Anlässlich der in ihrer Art einzigartigen Sonderausstellung über die berühmte Puppenfabrikantin Käthe Kruse im Museum Hameln (17.01.03-23.03.03) hat die Firma "Käthe Kruse Puppen GmbH" in Donauwörth eine spezielle Sonderkollektion an Kruse-Puppen (ca. 30 cm groß) als "Rattenfänger von Hameln" hergestellt.

Die Sonderedition war streng auf 50 Exemplare reduziert und wurde speziell für die Sonderausstellung produziert. Die Puppen zum Stückpreis von 235 EUR waren in kurzer Zeit ausverkauft.

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